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Eigene Wege gehen und Zuckerentzug Tag 26

In mir schreit alles nach etwas Süßem. Einem Teil von mir kommt das Leben sinnlos vor – ohne das! Und dies am 26. Tag ohne Zucker! Vor ein paar Tagen ging es mir so gut. Ich fühlte mich frei und hätte tanzen können vor Glück. Und nun ist wieder alles anders… Ich will diesem Verlangen nicht nachgeben. Es bringt nichts. Was kann ich tun? Wie damit umgehen? – Einfach sein lassen. Ich verkrieche mich in meine Höhle. Auch das geht vorüber, lautet eine spirituelle Redensart.

Mit der Erkenntnis, dass ich auf jeden Fall und wahrscheinlich große Teile der deutschen Gesellschaft mehr oder weniger zuckersüchtig sind, kam der Wunsch auf, dies für mich zu ändern. Ich weiß, dass es nicht leicht ist, eigene Wege zu gehen. Weder in der Spiritualität noch beim Essverhalten. Bei Alkoholikern wissen viele, dass es den meisten schwer fällt, nur einen Wein zu trinken, ohne abzustürzen in den freien Fall. Den Zuckersüchtigen gegenüber sind viele noch nicht so tolerant.

Die Online-Expertinnen sagen, dass man irgendwann einmal wieder Zuckerhaltiges essen kann, ohne sich zu verlieren. Im Moment kann ich mir das noch nicht vorstellen. Für mich ist es gerade schwer genug, dem Verlangen zu widerstehen. Das zeigt mir, dass ich gefährdet bin. Denn wenn ich diesem schrecklichen Gefühl jetzt mit Süßem begegne, wird es wieder dazu kommen und wieder und wieder und wieder.

Die Gier nach etwas Süßem ist gerade so stark, dass ich mit watteweichem Kopf hier sitze und nur dies schreiben kann. Die vielen, vielen spirituellen Themen, über die ich mich eigentlich äußern will, sind in den Hintergrund gedrängt. Wie ich damit umgehe, ist immerhin spirituell. Spirituelle Ergebung, sich dem echt harten und schmerzhaften Prozess stellen, in dem Wissen, dass er mich mehr Mitgefühl für andere lehrt…

In der Spiritualität wird man oft eigene Wege gehen. „Erkenne Dich selbst…“, lautet eine Inschrift des bekannten Apollotempels von Delphi. Diese Selbsterkenntnis und die Selbsterfahrungen sind unser Schlüssel zum Verständnis des großen Ganzen. Eigene Wege zu gehen heißt öfter auch, Zeit mit sich selbst zu verbringen. Manchmal fühlen wir uns dabei einsam und isoliert, manchmal im Einklang mit allem, all-ein.

Eigene Wege zu gehen ist nicht immer leicht. Aber es ist manchmal notwendig, um zu sich selbst zu finden. Mit dem Willen, nicht mehr der Zuckersucht zu erliegen, gehe ich auch eigene Wege. Nur ein Stückchen Kuchen, das macht doch nichts, bekomme ich zu hören. Oder: Ach, dann kann ich Sie ja nicht mehr einladen zu unseren Treffen. Dann würden sich ja alle komisch fühlen. Ich lade Sie dann extra ein. Das will ich natürlich nicht. Ich habe mir überlegt, dass ich vorschlage, einen zuckerfreien Kuchen zu backen und mitzubringen. Dann esse ich auch etwas und es fällt nicht so auf. Manchmal muss man das Gute verstecken, damit man mit seinen Mitmenschen Zeit verbringen kann.

In der spirituellen Entwicklung haben sicher die meisten Personen zurückgezogene Phasen, in denen sie den Prozessen der Spiritualität Raum geben (müssen). Es geht einfach nicht anders. Diese Zeiten können länger oder kürzer dauern. Wichtig ist, im Auge zu behalten, dass wir auf unsere Weise immer wieder zurückkehren zu den Menschen, der Natur und Mutter Erde. Spirituelle Entwicklung soll uns hinführen zu einer Verbundenheit mit allem, was ist, nicht zu befremdlichen Sonderlingen machen. Wie diese Verbundenheit aussieht oder der Einsatz für unsere Mitmenschen, kann sehr verschiedenartig sein. Ob ein Heiliger auf dem Himalaya thront oder eine spirituelle Person sich mitten unter den Menschen befindet, alles ist möglich. Entscheidend ist: Im tiefen Verstehen dessen, was ist, wirken spirituell Entwickelte für die Welt segensreich. So weit für heute! Noch einen schönen Tag für Sie – mit Zucker oder ohne!