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Schwachpunkte und Vorsätze zum neuen Jahr

Guten Morgen!

Ich hoffe, Sie sind gut ins Neue Jahr gekommen.

Ein neues Jahr! Ich sehe vor meinem inneren Auge eine weiße, unberührte Schneefläche, hell und rein. Welche Wege werden wir gehen? Wo Fußspuren hinterlassen?

Es ist eine gute Zeit, um sich neu zu erfinden, Dinge anzugehen, die wir verändern wollen. Auch wenn es etwas ist, was wir schon oft und oft versucht haben und noch nicht wirklich gelöst haben.

So geht es jedenfalls mir. Es gibt Schwachpunkte, an denen ich beinahe mein ganzes Leben lang arbeite, ohne sie bisher zufriedenstellend auf Dauer gelöst zu haben.

Manche meinen, dass nur ein „perfektes“ Wesen spirituell entwickelt sein kann. Sicher mag es solche Wesen geben. Aber doch wohl eher selten. Die Verkörperung als Mensch bringt durch den materiellen Vorgang meist irgendwelche Grob-Stofflichkeiten mit sich, mit denen wir uns auseinander zu setzen haben.

Dem entkommen wir nicht durch Unterdrückung, sondern durch liebevolles Annehmen und Lösen. Wenn wir eine Schwachstelle in uns sozusagen gewaltsam unterdrücken, taucht öfter ein Stolz auf, auf unser vermeintliches Gelingen, der wiederum neue und vielleicht – spirituell gesehen –  bedeutendere Schwachstellen kreiert als die ursprüngliche.

Bedeutender deshalb, weil wir uns – durchaus unbewusst und subtil – über andere erheben könnten mit unserem Fortschritt. Und so kann unser Fortschritt wieder zum Rückschritt werden. Wache Erkenntnis unserer Selbst und von innen heraus kommende Demut sind Hilfen, damit wir nicht in diese Fallen tappen. Oder zumindest nur kurz darin verweilen.

Ja, wir sind aufgerufen dazu, uns zu verfeinern und nicht förderliches Verhalten zu ändern und förderliches Verhalten zu entwickeln. Wenn wir das tun, geht es uns besser. Das allein ist ein großer Erfolg für unser Leben.

Aber wir sind deshalb keine besseren Menschen. Wenn andere das (noch) nicht tun oder tun können, haben sie vielleicht anderes zu tun? Wir können Anregungen geben, Vorbild sein, einander begleiten. Wir können uns entscheiden, weniger oder keine Zeit mit Menschen zu verbringen, die uns nicht beflügeln oder herunter ziehen. Das ist völlig in Ordnung. Nur bewerten sollten wir einander eher nicht.

Ich bin gestern abgetaucht und habe mich mit einer meiner Schwachstellen befasst. Sie nervt mich. Und ist eine große Lehrmeisterin in meinem Leben. Süßes essen und zu viel essen. Damit habe ich es mehr oder weniger mein ganzes Leben lang zu tun. Jeder dicke Mensch ist meine Schwester und mein Bruder. Das waren sie auch schon, als ich noch ganz schlank war. Es werden immer mehr. Und das ist traurig.

Früher hat Rauchen das in Schach gehalten. Aber ich spürte, dass es nicht gut für mich war. Zwölf lange Jahre mit rauchfreien Zeiten und Rückfallzeiten dauerte es, bis ich zur Nichtraucherin wurde. In den zwölf Jahren war ich eine Raucherin, die nicht geraucht hat. Heute fühle ich mich wirklich als Nichtraucherin. Dies bin ich seit zwölfeinhalb Jahren. Ich kann mir kaum vorstellen, wieder eine Raucherin zu werden.

Mein Gewicht ging beim ersten Rauchstopp zehn Kilogramm hoch. Dazu kamen weitere fünf Kilo, die ich mit mir herumschleppe. Sicher, es könnte schlimmer sein. Menschen sagen, dass ich ein nettes Gesicht habe. Aber ich spüre, genau wie beim Rauchen, dass es mir nicht gut tut.

Ich habe gesundheitliche Schäden durch mein Essverhalten erlitten und habe gute Phasen und nicht so gute Phasen, was mein Essen anbelangt. Grund genug, sich darum zu kümmern. Diese Schwachstelle habe ich noch nicht ablegen können. Nach dem reichlichen Essen in der Weihnachtszeit gehe ich es wieder an. Ich suche mir dabei auch Hilfe. Das tut meiner Spiritualität keinen Abbruch. Im Gegenteil! Es hält mich bescheiden. Mein Wunsch ist, dass ich die Lektion so gut lerne, dass ich das Muster loslassen kann auf Dauer und die Bescheidenheit durch den mühsamen Prozess mein Menschsein so durchdringt, dass sie untrennbar von mir ist.

Dann bin ich gefeit vor spiritueller Anmaßung und Stolz. Charaktereigenschaften, die auf einer bestimmten Entwicklungsstufe eine große Gefahr auf dem spirituellen Weg darstellen. Nicht nur für den Menschen selbst, sondern auch für diejenigen, die ihn umgeben. Dies können Wesen sein, die viel erreicht haben und im Außen einen Meisterstatus zugesprochen erhalten oder ihn sich selbst zulegen und pflegen. Beware!

Von der Geschichte des Buddha können wir lernen, dass es weise ist, unseren eigenen Weg zu gehen. Er verließ nach einer Zeit des Lernens mehr als einen Meister, auch wenn dieser das nicht gut hieß. Dann, nach weiterem gelebten Leben und Suchen, hatte er irgendwann seine Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum.

Es gibt noch einiges zum Thema Abhängigkeit und spirituellem Missbrauch zu sagen. Ein anderes Mal! Heute will ich mich weiter meinen Schwachstellen nähern und Vorbereitungen treffen, meinen Körper besser zu behandeln. Vielleicht geht mein Wunsch ja in diesem Jahr endlich in Erfüllung!

Sie haben sicher auch Themen, die Ihnen zu schaffen machen. Seien Sie voller guter Hoffnung. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie in diesem neuen Jahr mit der schönen Zahl 2020 gute Fortschritte machen. Sie sind nicht allein!