Artikel und Einträge

Spirituelle Ansichten 2

Eine Glaubensrichtung oder spirituelle  Praxis, die angibt, dass sie anderen überlegen und ihr Weg der Beste sei, kann nur eine Teilwahrheit sein. Das Höchste Göttliche oder eine spirituelle Richtung muss allumfassend sein, sonst ist sie nur ein Teilaspekt. Vielleicht repräsentiert so eine Richtung einen wichtigen und schönen Teilaspekt, aber auf jeden Fall nicht die ganze Wahrheit. Wer den Weg eines anderen und somit den anderen selbst ausschließt, hat selbst das Bewusstsein vom Allumfassenden verloren.

Oder glauben Sie wirklich, wenn Sie vertieft darüber nachdenken, dass ein liebendes und allmächtiges Göttliche das Kind des einen weniger lieben würde als das eines anderen, nur weil die Eltern eine andere Gestimmtheit haben und andere Bräuche leben?

Göttliche Liebe macht keine Unterschiede.

Wenn Unterschiede bewertet werden, setzt Ungerechtigkeit ein. So wird die Saat gepflanzt für Dinge, die sehr leidvoll für uns Menschen sein können. Die Natur ist voller Vielfalt. Diese zu bestaunen und zu ehren, birgt kein Unheil in sich. Vielfalt ist lebensförderlich, Unterschiede fördern Konflikte.

Die eine Farbe oder Form ist uns geschmacklich oder von unserer Herkunft her näher. Wir mögen sie mehr, wie wir auch bestimmte Speisen vorziehen mögen. Das ist in Ordnung. Nur: Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass das unsere individuelle Vorliebe ist. Andere Menschen haben andere Vorlieben.

Es ist eine menschliche Eigenschaft, sich anderen überlegen fühlen zu wollen. Dies gilt nicht nur in spirituellen Bereichen, sondern allgemein im Leben. Der Mensch ist es, der diese ganzen verschiedenen Religionen und rituellen Handlungen und Bräuche erfunden hat im Laufe der Zeiten. Das ist sehr kreativ.

Und wenn sich die eine Gruppe nicht über die andere erheben wollen würde und einfach ihrem Empfinden folgen und ihre Erkenntnisse leben würde, wäre dies Vielfalt und wunderbar.

Wenn die numinosen Erfahrungen und Erleuchtungen und göttlichen Personen der verschiedensten Richtungen als gleichwertig angesehen werden würden, voller Interesse, welchen spirituellen Aspekt sie repräsentieren und welche Färbung sie aufzeigen, was für eine Freude!

Vertreter der verschiedenen Gruppen könnten zusammen kommen und sich austauschen. Dies passiert im Übrigen seit Jahrzehnten immer mehr. Manche sagen auch, es kennzeichne das Wassermann-Zeitalter.

Gleichzeitig erfahren wir in den Nachrichten von Rückschritten auf vielen Ebenen, und es wird bildlich gesprochen dunkler. Licht hebt sich in verschiedensten Intensitäten und Ausprägungen von der Dunkelheit ab. Es gibt auch Licht, welches strahlt und doch Teil der Dunkelheit ist. Darüberhinaus existiert ein farbloses göttliches Licht. Dieses Licht braucht keine Polarität, um zu sein. Keine Dualität. Es ist.

Viele Menschen wenden sich von dem Göttlichen ab, weil sie dem Göttlichen die Schuld geben an den schlimmen Dingen, die auf der Erde passieren. Aber wieviel Leid ist hausgemacht, was heißt, menschengemacht? Und das schieben wir dann einfach Gott in die Schuhe?

Vielleicht könnten wir uns darauf besinnen, erst einmal vor unserer eigenen Haustür zu kehren, das zu machen und zu verbessern, was wir tun können, um das Leid auf der Erde zu lindern.

Mit dem ewig Göttlichen geht das allemal besser. Hand in Hand mit dem Göttlichen sind unglaubliche Dinge möglich. Aber wir müssten uns anvertrauen und nicht meinen, alles zu wissen. Wir erleben nur einen Leuchtturm-Ausschnitt, während das Göttliche alles wahrnimmt in alle Richtungen der Zeit.

Wir sind oft von unseren Bedürfnissen, Gedanken, Gefühlen und Wünschen Getriebene, begehren beispielsweise einen Menschen, obwohl ein anderer vielleicht viel besser zu uns passt, um unsere Lebensaufgabe zu erfüllen. Das Begehren kann ein wertvoller Impuls sein, muss es aber nicht.

Natürlich lernen wir von einer Glaubensrichtung oder einer spirituellen Praxis. So beginnt es meist im Leben mit dem Glauben unserer Familie oder unseres Herkunftslandes oder auch mit eigenen Erfahrungen, da wir eben nicht als unbeschriebenes Blatt geboren werden, sondern Wissen und Erfahrungen mitbringen…

Von lebensfreundlichen Weisheitsquellen jeder Art zu lernen, ist sinnvoll und gut. Wir können auch ein Leben lang dem Glauben unserer Ahnen angehören und viel Gutes bewirken. Es besteht keine Notwendigkeit, dies zu ändern. Aber wir können es ändern, wenn wir wollen.

Irgendwann sollte jedoch jeder von uns beschrittene Weg uns über den Tellerrand hinausblicken lassen. Wenn wir mehr und mehr zu lieben lernen oder mehr und mehr verstehen, dann muss notwendigerweise irgendwann Toleranz und Mitgefühl für alle entstehen… auch wenn sie anders aussehen, anders denken und beten als wir.

Abschließend für heute sei gesagt: Statt entweder-oder lieber sowohl-als auch. Oder und-und-und…