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Spiritueller Missbrauch 2

Heute feiern orthodoxe Christen Weihnachten, für andere ist es der Tag der Heiligen Drei Könige, für mich ist es auch der letzte heilige Tag einer Zwischenzeit, bevor das neue Jahr so richtig anfängt. Ein guter Tag, um das Thema von gestern fortzuführen.

Folgende Fragen ergeben sich für einen Suchenden:

Wie und wo und in welcher Form kann ich lernen und mich spirituell weiter entwickeln?

Ohne mich der Gefahr von Missbrauch auszusetzen?

Ganz ausschließen lässt sich das nie.

Um etwas zu lernen, sind Rahmenbedingungen erforderlich, sogar dann, wenn alle konventionellen Formen verneint werden und das Lernen in einer Art spontanen Happenings stattfindet, auf der grünen Wiese oder in welcher Form auch immer. In dieser Situation ist die vielleicht unausgesprochene Rahmenbedingung, dass man bereit ist, sich dieser Form zu öffnen und sich zu den gegebenen Momenten im Minimalkonsens zumindest zeitlich auf ein spirituelles Abenteuer einzulassen.

Meist gibt es jedoch kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen, selbst wenn wir einen in völliger Abgeschiedenheit lebenden Meister finden. Wie beispielsweise den tibetisch-buddhistischen Asketen, Yogi und Tantrameister Milarepa, der viele Jahre in völliger Einfachheit am Fuße des Himalaya-Berges Kailash gelebt hat. Von ihm wird erzählt, dass seine Hautfarbe grün war, weil er sich – sehr spärlich – von grünen Pflanzen ernährt habe.

Interessant bei Milarepas Geschichte ist auch, dass er sich dort im Grunde geläutert hat, da er aus Zorn über Ungerechtigkeit seiner Familie gegenüber als junger Mann bei einem dunklen Meister gelernt hat und aus Rache den Tod von Menschen verursacht hat. Im Christlichen könnte man zum Beispiel an Paulus denken, der vor seinem Erweckungserlebnis, aus tiefer Überzeugung im Recht zu sein, Urchristen tötete und Leid zufügte.

Das chinesische Yin-Yang-Symbol zeigt eindrücklich auf, dass es im Licht immer auch einen dunklen Anteil gibt und im Dunkeln einen hellen Anteil. Licht kann sich ins Dunkle wandeln und das Dunkle in Licht. Die einzige Konstante ist der Wandel, eine tiefe Wahrheit, die ebenfalls im asiatischen Raum verbreitet ist.

Der Psychoanalytiker C.G. Jung sprach vom kollektiven Unbewussten, in dem alles enthalten ist. Die Buddhisten sprechen von Samen. Es gibt Samen des Guten und des Bösen im Leben. Wir können uns darum bemühen, die förderlichen Samen zu hegen und zu pflegen, damit sie wachsen, erblühen und schließlich Früchte tragen.

Wie und bei wem können wir also bestmöglich spirituell lernen? Es ist immer eine gute Idee, das eigene Herz zu befragen, ob wir bei jemandem lernen wollen. Wenn unser Herz Freude empfindet beim Kontakt mit Personen und spirituellen Organisationen und deren Werten und Verhalten, kann man sich dem durchaus weiter nähern. Aber wie in der Liebe auch, kann die Weisheit des Herzens überlagert sein von anderen emotionalen Bedürfnissen, so dass Verwechslungen entstehen. Wichtig ist, dass wir uns diese Möglichkeit eingestehen und uns dann ohne schlechtes Gewissen neu entscheiden dürfen.

Ein guter Schüler lernt in jeder Lebenssituation. Es gibt den Satz: Die beste Schule ist das Leben selbst. Wenn sich jemand verstrickt hat in Lehr- und Gemeinschaftssituationen, die im Lauf der Zeit dem prüfenden Blick nicht standhalten, kann er oder sie auch daraus lernen. Wenn Werte und Eigenschaften vermittelt wurden, die von dem Lehrenden selbst nicht gelebt wurden, kann die Auseinandersetzung mit den Werten und das Üben von Fähigkeiten dennoch wertvoll gewesen sein. Es gilt hier: Achte auf die Botschaft, nicht auf den Botschafter.

Das heißt nicht, dass man in schlechten Verhältnissen verharren soll. Wenn es nötig ist, suche man sich wie in jeder anderen Situation auch Hilfe, um sich aus solchen Situationen zu befreien und dann später die Wunden zu heilen. Wenn man eine körperliche Verletzung hat, geht man schließlich auch zum Arzt. Und wenn man eine spirituelle Verletzung hat, kann man sich auch dafür jemand Sachverständigen suchen, der dabei hilft, die Wunde zu heilen.

Ja, man kann vom Regen in die Traufe kommen. Das kann  passieren. Und es passiert öfter, dass wir in solchen Situationen isoliert sind und nicht gleich den richtigen Ansprechpartner zu finden scheinen. Aber meiner Ansicht nach gibt es immer eine verlässliche Ansprechquelle. Wir können – wie auch immer geartet – ein oder mehrere oder tausend Hilferufe an die geistige Welt senden, wie wir sie verstehen.

Ob Sie sich an das ewig Göttliche Ihrer Wahl wenden, an Engel, an geistige Vertreter der kosmischen Intelligenz, weise Wesen der Natur. Bitten Sie um Hilfe. Und ich kann Ihnen versichern, Ihr Hilferuf wird gehört. Auch wenn sich die Dinge anders entwickeln mögen als Sie sich das wünschen. Wir erhalten Hilfe, können jedoch nicht bestimmen, was genau passiert. Wenn wir das könnten, bräuchten wir ja keine Hilfe.

Ich will nicht zu lange Posts schreiben. Deshalb ende ich an dieser Stelle und fahre im nächsten Post fort.