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Spiritueller Missbrauch 3

Wichtig wäre mir heute noch zu sagen, dass Sie sich überlegen sollen, welcher spirituellen  Gemeinschaft oder Einzelperson Sie sich warum, aus welchen Gründen und in welcher Form anschließen. Manchmal ist es die Geborgenheit und Wärme, weswegen wir in eigentlich unhaltbaren Situationen verharren.

Für manche Menschen scheint es in ihrer Entwicklung auch nötig zu sein, ein Leben lang im Fahrwasser eines Meisters zu schwimmen. Sie fühlen sich dort aufgehoben und müssen nicht die Verantwortung tragen, die ein selbstverantwortlicher Weg mit sich bringt. Vielleicht sind diese Menschen in ihrer Entwicklung mit Kindern zu vergleichen, die noch Eltern brauchen.

Hierbei nehme ich die großen Religionen ein wenig aus, in die wir hinein geboren und mit denen wir aufgewachsen sind. Wenn man nicht zu sehr an ihnen leidet oder sich irgendwie fremd fühlen sollte, kann man durchaus großzügig sein und auf seine eigene Weise weiter daran teilhaben, ohne sich anderen Erfahrungen und Wissen zu verschließen. Einfach weil es einen Grund hat, warum wir wo geboren sind.

Manchmal kann es aber auch für die eigene Entwicklung notwendig werden, die geistige Ausrichtung zu ändern. Zum Beispiel für Menschen, die sehr unter den Schattenseiten ihrer Religion leiden – vielleicht auch, weil sie Erinnerungen an schlimme Dinge haben, in diesem oder in früheren Leben.

Wenn Sie spirituelle Gelübde ablegen, bedenken Sie, dass diese in einer linear betrachteten Zeit durchaus über Ihren Tod hinaus gelten können und Sie vielleicht Tausende von Jahren Ihre geistige Energie an eine Gemeinschaft oder an einen Meister binden. Oder wenn Sie sich im Raum der Gleichzeitigkeit allen Seins aufhalten, dass Sie Ihre Energien jemand anderem zur Verfügung stellen. Wenn Sie das tun, sollten Sie sicher stellen, dass Sie die Ziele der Person wirklich kennen und mit diesen einverstanden sind.

Es gibt auch Lehrende in großen Gemeinschaften, denen das sehr bewusst ist und denen man eine gewisse „Gier“ nach  Mehr ansehen kann. Die großen Gemeinschaften selbst sind geistige Energiegebilde, und innerhalb dieser Gebilde gibt es verschiedene Strömungen und Richtungen, die unter diesem Dach durchaus eigene Zielrichtungen verfolgen, die nicht immer licht sind. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Glücklicherweise können Sie sich mit redlichem Herzen selbst von solchen Gelübden entbinden oder bei großen Gemeinschaften für sich im Herzen passend machen, ohne andere vor den Kopf zu stoßen. Es gibt viele Wege, wie Sie das machen können. Wählen Sie eine Form, die Ihnen entspricht. Und wenn Sie unsicher sind, suchen Sie sich Unterstützung im geistigen oder menschlichen Bereich.

In vielen Kulturen und zu anderen Zeiten musste und muss man sich öfter wie ein Leibeigener verpflichten, um spirituell lernen zu können. Als Gründe werden oft angegeben, dass der Mensch bereit sein muss, sich formen zu lassen oder damit er nicht ausweicht, wenn etwas unbequem zu werden droht. Oder dass jemand ein spiritueller „Hopser“ wird, der lieber wechselt als auf einem Weg zu lernen. Das kommt auf den Menschen an. Der eine ist im besten Sinne ein spiritueller Kosmopolit, ein anderer bleibt durch den Wechsel an der Oberfläche.

Ich tendiere zu freien Entscheidungen diesbezüglich. Wenn ich es einsehe, kann ich mich durchaus einer Disziplin anheim geben. Dies auch über lange Zeit. Und ich wähle die Freiheit. Auch wenn das heißt, dass ich mich öfter nicht in die Arme wärmender spiritueller Menschengemeinschaften begebe, wenn das bedeutet, dass ich nicht auf Augenhöhe sein kann, sondern mich unterordnen soll.

Buddha und andere haben sich nicht unterworfen. Sie sind ihren Weg gegangen in Verbindung mit der geistigen Welt, getragen und geführt von ihr. Das war nicht immer leicht. Sie hatten Krisen, verließen Traditionen oder Lehrer und gingen den Weg weiter, der sich vor ihnen auftat. Ich finde, an solchen Wesen kann man sich getrost ein Beispiel nehmen. Wir dürfen heute lesen, können Filme sehen, haben viele Möglichkeiten zu lernen, auch wenn das die persönliche Begegnung nicht ersetzt.

Lernen geht meiner Ansicht nach auch auf Augenhöhe, mit dem grundsätzlichem Respekt vor dem anderen Menschen als gleichwertiges Wesen. Vielleicht kann ein Lehrer „Primus inter pares“ sein, ein Erster unter Gleichen. Vielleicht ist der Kontakt nicht immer perfekt, und manchmal tut es auch in diesen Zusammenhängen weh. Aber das ist immer noch ein himmelweiter Unterschied zu spirituellem Missbrauch. Das sind die Unzulänglichkeiten des Lebens, die mit dem Menschsein einhergehen.

Es gibt den netten Spruch „Wenn too perfect, Gott böse“.

Wenn Sie Ihr Herz befragen, wenden Sie wissen, was was ist. Ob es nur ein wenig „menschelt“, aber im Grunde in Ordnung ist, oder ob Sie sich in etwas verstrickt haben, aus dem Sie sich besser befreien und von dem Sie Abstand gewinnen sollten. Wenn Sie nicht sicher sind, warten Sie. Bitten Sie um geistige Hilfe und beobachten Sie das Geschehen. Im Laufe der Zeit werden Sie zu einer eindeutigen Antwort kommen. Dann können Sie leichter handeln und die erforderlichen Schritte unternehmen.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Gedanken zum Thema nützlich waren und wünsche Ihnen einen schönen, befreiten Tag.