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Süchtig sind die meisten

Es ist wieder einmal früher Morgen. Eine Zeit, in der ich öfter schreibe.

Ich bereite mich auf eine zuckerfreie Zeit vor und habe mich bei einem Online-Kurs angemeldet.

Gott sei Dank gibt es jetzt einiges zum Thema. Als ich jung war, wurde dieses Thema weitgehend ignoriert und bagatellisiert. Auch später fand ich kaum wirkliche Unterstützung. Bis Mitte 30 war ich schlank, danach bis heute öfter mäßig übergewichtig. Ein schlankes Gewicht zu halten gelang mir bisher auf Dauer nicht.

Wenn ich „süß“ thematisierte, wurde ich belächelt. Gesprächspartner schienen die Augen zu verdrehen: Noch so eine Diät-Verrückte. Sie ist doch schlank. Da gibt es ganz andere. Später dann: Mit den Jahren nimmt man eben ein wenig zu. Früher gab es viele „Diätverrückte“. Kurzfristige Diäten lösen das Problem aber nicht. Das weiß jeder. Sonst gäbe es nicht immer mehr Übergewichtige.

Für mich ist das Süß-Essen eben keine Bagatelle. Ich tue es gegen meinen Willen, wider meinen klaren Verstand. Wie Abermillionen Menschen in der „zivilisierten“ Welt auch. Diese Welt hat Nahrungsmittelindustrien erfunden, die in Laboren sehr abhängig machende Industriell gefertigte Nahrungsmittel austüfteln. Dabei scheint eine gewisse Mischung von Zucker und Fetten eine wichtige Rolle zu spielen sowie einige weitere Stoffe, die eigentlich nichts im Essen zu suchen haben. Diese Mischung und Stoffe setzen unseren Sättigungsmechanismus außer Kraft.

Meine Eltern wollten mich verwöhnen und haben mich süchtig gemacht. Damals gab es nur wenig Bewusstsein darüber. Ich habe dieses Problem noch immer nicht zufriedenstellend gelöst. Es ist ein Lebensthema. Und ich gehe es wieder an. Auf verschiedenen Wegen. Auch diesmal mache ich etwas anders. Ich nehme mir mehr Zeit, höre nicht einfach auf süß, und dadurch auch zu viel, zu essen, sondern nehme mein noch nicht gutes Essverhalten sehr wach wahr, schreibe es auf, sehe es mir an, bereite mich vor.

Nächsten Sonntag geht es los. Wahrscheinlich werde ich ab und an davon berichten.

Zum Trost für alle, die ebenfalls an dieser Sucht leiden:

Lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie nicht spirituell genug sind, wenn Sie nicht gesund essen. Das ist nicht wahr. Sie haben ein Thema, das ist alles. An diesem Thema können Sie sogar spirituell wachsen und reifen. Und es eines Tages hoffentlich endlich ganz und gar auflösen. Der Weg ist das Ziel. Und wie die chinesische Weisheit uns lehrt: Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und setzt sich im nächsten und wiederum nächsten fort. Bis Sie und ich endlich an einem Ziel ankommen und von dort aus schon das nächste, neue Ziel sehen. Ist das nicht wunderbar?

Lassen Sie sich dies auch nicht in anderer Hinsicht einreden:

Ob Sie Sexualität leben oder nicht, vegan oder vegetarisch essen oder nicht, ökologisch essen oder nicht, Probleme mit Arbeits-, Ordnungs- oder anderweitigen Süchten haben. Materiellen Erfolg haben oder nicht. Egal, wo Sie sich im Augenblick befinden, Sie können sich trotzdem spirituell weiter entwickeln.

Süchte schaden Ihrer Gesundheit und dadurch Ihrem Potential, vernebeln zu bestimmten Zeiten Ihren Geist, aber Sie sind deswegen nicht weniger wert als andere. Die meisten von uns haben irgendein Thema. Bei Übergewicht ist das offensichtlich. Andere haben verborgenere Herausforderungen, die dem Menschen vor den Augen anderer gut versteckt zu schaffen machen.

Lassen Sie sich nicht einreden, dass an Ihnen etwas falsch ist. Manche sagen Ihnen locker und flockig, dass Ihre geistige Haltung falsch sei, wenn Sie ein Problem wie Übergewicht oder materiellen Misserfolg haben. Mit Affirmationen, Visualisierungen, Bestellungen beim Universum und einer Art magischem Verhalten könnten wir das ja alles ändern. Das ist schon richtig. Und auch wiederum nicht.

Wir wünschen uns etwas Bestimmtes, arbeiten geistig mit der Vorstellungskraft daran. Und genau damit grenzen wir das Leben ein. Da wir eben nicht alles wissen. Das Leben und das ewig Göttliche sind unendlich weit. Es gibt Lebensmöglichkeiten, die der Kreativste unter uns sich nicht vorstellen kann. Wendungen im Leben, Ereignisse, die wir nicht vorhersehen können und die zu den Schönsten des Lebens gehören.

Ja, wir können alle Hilfsmittel nutzen, die uns zur Verfügung stehen und einfallen. Aber mit Demut bitte! Wir sind nicht besser, weil wir schlank sind. Wir sind gesünder. Denen mit den verborgenen Themen möchte ich sagen: Tappen Sie nicht in die Falle von Perfektionismus und Überheblichkeit. Sie schwächen damit Ihre guten Anlagen, sich selbst und andere.

Mitgefühl und Liebe sind die größten Heiler!