Artikel und Einträge

Tag 30: Über Verstorbene und „sich vertreten“

Der Zuckerentzug macht mir zu schaffen. Seit Tagen wird es wieder schlechter. Ich fühle mich nicht so gut,  mein Schlaf ist auch wieder schlechter geworden. Wozu das alles, möchte mir eine Stimme einflüstern. Wozu? Mit Zucker ging es Dir doch stimmungsmäßig besser als jetzt. Schon wahr, schon wahr, aber eben nur für kurze Zeiten. Außerdem macht es mich dick und krank. Aber Du fühlst Dich doch gerade jetzt kränklich. Mit Zucker wäre das besser… Nur einen kurzen Moment, wiederhole ich… Eine Endlosschleife an diesem Wochenende.

Am Sonntag igelte ich mich ein und ging nicht raus ins Hamburger Schietwetter. Gott sei Dank habe ich mich in der Briefwahl versucht an diesem wichtigen Wahltag für Hamburg. Am Nachmittag, als mein Mann beim Sport war und ich nicht, machte ich mich in der Küche auf die Suche nach etwas Süßem. Ich durchwühlte alle Schränke. Vielleicht hatte ich beim Ausräumen ja etwas übersehen. Ein Dattel-Feigen-Riegel fiel meiner Süßgier zum Opfer und eine Banane. Wenn etwas anderes da gewesen wäre, hätte ich es gegessen. Hintergrund war auch, dass ich die vorgeschriebene Zeit des ersten Online-Kurses geschafft habe und man sich laut Kurs wieder erlauben konnte, etwas Süßes zu essen und damit zu experimentieren. Das hat mein inneres Kind sich natürlich gut gemerkt. Ein Gang auf die Waage! Immerhin drei Kilo weniger in vier Wochen ohne Diät. Um mich weiter zu unterstützen, habe ich einen zweiten Online-Zuckerfrei-Kursus gebucht, der am Aschermittwoch mit der zuckerfreien Zeit startet.

Die beiden Tage zuvor waren emotional herausfordernd. Am Freitag war ich in meiner Heimatstadt auf einer Beerdigung einer Freundin meiner Eltern, die ich auch gut kannte. Jede Beerdigung rührt neben dem Mitgefühl für die Anverwandten und die Traurigkeit, diesen Menschen nicht mehr wieder zu sehen, auch tief an alle Verluste, die wir selbst erlebt haben. Da nützt es auch wenig, dass ich parallel die Verstorbenen wahrnehmen kann und weiß, dass es ihnen gut geht und sie mich gar trösten. Mein inneres Kind mag es nicht, wenn es Menschen nicht wiedersehen kann.

Es war eine „schöne“ Beerdigung. Der Geistliche hat eine sehr tröstliche und aufbauende Predigt gehalten, die Kapelle war liebevoll gestaltet, das Beisammensein danach an einem guten Ort. Und dann kam es wie es öfter kommt. Ich sitze einem Menschen gegenüber, den ich nur dem Namen nach kannte.

Wir unterhielten uns, und er fragte mich, ob ich die Tochter von so und so sei. Ja! Und es folgten subtil verletzende Andeutungen über meinen Vater von einem, der es nicht besser wusste. Wusch! Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie, außer mit Hilfe vom Himmel, vertrat ich mich und meine Familie. In einer Klarheit und Wahrheit, dass mein Gegenüber ganz still wurde. In solchen Augenblicken höre ich mir selbst meist sehr erstaunt zu. Ich habe dann eher das Gefühl, etwas spricht durch mich als dass ich spreche.

Meine Eltern waren sehr zurückhaltend und haben sich zu solchen Angelegenheiten nicht öffentlich geäußert. Aber diese bösen, unredlichen Gerüchte haben sie geschmerzt. Wie denn auch nicht! Mich haben sie auch geschmerzt als Kind. Meine Eltern leben nicht mehr – hier, möchte ich in diesem spirituellen Blog versucht sein zu sagen. Sie sind verstorben.

An diesem Freitag habe ich endlich Klarheit und Wahrheit gebracht in Angelegenheiten meiner Familie, deren Ursprung über 60 Jahre lang zurück liegt. Ich habe Zeugnis abgelegt vor Zeugen, könnte man sagen. Es waren auch andere Gäste zugegen, die ebenfalls um die 80 Jahre alt waren, und mir sehr viel Sympathie entgegen brachten. Ich habe meine Familie vertreten. Endlich! Aus Rücksicht meinen Eltern gegenüber, die anders eingestellt waren, habe ich bisher geschwiegen. Ich bin mir sicher, dass diese meine Worte in meiner Heimatstadt die Runde machen werden in den Kreisen, die es angeht. Dies ist nicht nur eine persönliche Sache. Spirituell gesehen erhöht jede Heilung einer Situation in alle Richtungen der Zeit die Schwingung und trägt zu Frieden und Harmonie bei.

Es wird gesagt, dass Gottes Mühlen langsam mahlen. Aber wir dürfen nie vergessen, dass sie mahlen… Ich hatte das Gefühl, dass mein Vater sich sehr gefreut hat und meine Mutter auch. Jedenfalls sah ich das so vor dem inneren Auge. Auch die Verstorbene sah ich, mit meinen Eltern und anderen Freunden, ein Fest feiern. Wer weiß? Vielleicht feiern manche Verstorbene, die auch im Leben gerne gefeiert haben, zeitgleich zur Beerdigung auf der anderen Seite des Schleiers ein rauschendes Geburtstagsfest.

Ich schreibe manche, da es bei jedem Verstorbenen anders ist meiner Schau nach. Es kommt auf sein Leben, seinen Glauben, seinen Hintergrund und sein Karma an, wie es sich verhält. Was ich hier sage, kann ich nicht beweisen. Aber ich kann meine Erfahrungen teilen. Und auch wenn es sich so verhält wie ich es wahrnehme, ändert das für mich nichts an in Augenblicken aufkommender Trauer. Ich vermisse manchmal einfach die physische Form meiner Eltern. Sie werden so nie wieder geboren.

Hier an diesem Punkt könnten sich Vertreter von Wiedergeburt und einmaligen Leben aussöhnen. Denn sie haben beide recht. In dieser physischen  Form mit diesem physischen Körper ist ein Wesen ein einmaliges Ereignis. So kommt es nie wieder. Und hier setzt unsere Trauer ein und unser Festhalten. Aber in einer anderen Form mit einem anderen Namen kann dieses Wesen oder etwas von diesem Wesen durchaus wieder auf Erden oder in anderen Gefilden auftauchen. Dessen bin ich mir sicher.

Die zweite herausfordernde Angelegenheit erfolgte nach einem Seminar des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker, dessen Mitglied ich bin. Es ging unter anderen Dingen um die Rechtslage, was man auf Websites sagen könne. Der Beruf des Heilpraktikers wird seit Jahren mehr und mehr angegriffen und in Misskredit gebracht. Auch ein Unrecht gegenüber den meisten Kollegen in meinen Augen. Schwarze Schafe gibt es überall, aber die Mehrheit meiner Kollegen setzt sich sehr ein für das Wohl von Menschen, oft auf ihre Kosten, da die Honorare bei vielen nicht dem Einsatz entsprechen.

Zurück nach Hause gekommen überarbeitete ich am Abend meine Website und richtete sie nach den neuen, noch strengeren Empfehlungen aus, um auf der sicheren Seite zu sein. Hier entschied ich, dass sich ein Vertreten in dieser Angelegenheit in diesem gesellschaftlichen Klima nicht lohne. Ich will in Ruhe meine Arbeit machen. Als Schreibende hat es mir nicht geschmeckt. Die Eleganz und Aussagekraft haben gelitten unter den rechtlichen Vorgaben. Ich habe es so gut gemacht wie ich konnte. Was soll’s?

Wie bei Ungerechtigkeiten sollte man auch beim „Sich Vertreten“ abwägen, wieviel Lebenskraft für die Angelegenheit benötigt wird und sozusagen energetisch ganz bodenständig eine Kosten-Nutzen-Analyse vornehmen. Auch wenn das Ziel edel ist, was nutzt es, es zu verfolgen, wenn man dabei zu Schaden kommt, ohne dass viel bewirkt. Als junger Mensch hätte ich diese Ansicht abgelehnt. Ich war sehr idealistisch. Aus heutiger Sicht betrachtet, ist jedes einzelne Leben für mich so kostbar, dass ich es mehr beschützen und würdigen möchte als ich es früher tat. Jesus soll einmal gesagt haben: Wenn Du einen Menschen rettest, so errettest Du die Welt. Sich mit seiner Spiritualität zu verbinden, hilft immer dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.

Einen schönen Tag aus dem immer noch wettertrüben Hamburg mit erfreulich klaren Wahlergebnissen wünscht Ihnen Sandra.