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Tränen sind Perlen

Tränen laufen die Wangen hinunter. Traurig bin ich, traurig. Der Frühling hat begonnen. Das, was wir zu meiner Lebenszeit bisher für selbstverständlich gehalten haben, ist nicht mehr. Unbekümmert hinaus gehen, andere Menschen treffen, sie in den Arm nehmen, lachen bis zum Umfallen…

Die Bilder aus Italien machen etwas mit mir. Krankenhauspersonal am Ende, Menschen sterben wie die Fliegen. Sie und ihre Angehörigen sind mit dem Schmerz alleine. Militärkonvois fahren nachts über die Straßen, vollbepackt mit Leichen, die in einem anderen Ort bestattet werden müssen. Weil – es sind einfach zu viele. Die Menschen dürfen von ihren Liebsten keinen Abschied nehmen. Sie sind einfach weg.

Der Verlust meiner Eltern kommt hoch. Ihr Sterben und ihr Fehlen. Die Bilder aus dem Krieg in Vietnam kommen hoch. Ich habe sie als Kind im Fernsehen gesehen. Das war schlimm. Ich habe es nie vergessen. Mein Mann hat mir ein Video geschickt, das ich gerade gesehen habe. Seine wunderschöne Heimatstadt, ein Weltkulturerbe der UNESCO. Geliebte Wege, Plätze, Straßenzüge. Normalerweise voller Leben, jetzt leer und verwaist. Eine Frau singt – verlangsamt ohne viele Instrumente – ein Lied: „The Sound of Silence“ von Simon and Garfunkel.

Ich sehe mir lieb gewordene Orte, an die ich viele Erinnerungen habe. Mir laufen die Tränen hinunter… Tränen des Mitgefühls, Tränen des Verlusts, Tränen für uns Menschen, Tränen für Mutter Erde.

Tränen sind Perlen. Ehren wir sie…