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Umsicht und Rücksicht

Es ist schon wieder eine Woche her, seitdem ich zuletzt hier hinein geschrieben habe. Ich wollte den letzten Blogeintrag wirken lassen… Mir geht es gut damit, dass ich meine Vorsorge getroffen habe und mich umsichtig und vorsichtig verhalte.

Wieder einmal fallen mir folgende Verhaltensweisen im Umgang mit gesundheitlicher Bedrohung auf. Einige versuchen die Möglichkeit einer Ansteckung mit einer Krankheit herunterzuspielen und sprechen von hysterischen Mitbürgern etc., sind aber im Grunde doch besorgt. Andere ignorieren die bundesweiten Empfehlungen und strecken einem ostentativ die Hand hin und vermitteln dem Gegenüber ein schlechtes Gefühl, wenn es – wie ärztlicherseits empfohlen – ein Händeschütteln höflich ablehnt.

Beide Verhaltensarten dienen dazu, Angst und Unsicherheit abzuwehren. Im Kontakt mit einem Menschen, der sich an die empfohlene Hygiene-Etikette hält, kann das Thema nicht mehr ignoriert werden. Um es nicht an sich heranzulassen, wird der andere Mensch leicht verbal oder im Geiste zum Beispiel mit Worten belegt wie „übervorsichtig“,  „hysterisch“, „völlig übertrieben“, etc.pp.

Ein weiterer innerer Grund für so ein Verhalten mag sein, dass man sich vielleicht auch unbewusst für überlegen und unangreifbar hält. Da ich so gesund lebe, kann mir gar nichts passieren. Wenn andere sich anstecken, haben sie selber schuld… Es ist das Milieu und nicht der Erreger. Oder: Ich bin so spirituell und hochentwickelt. Mir kann gar nichts passieren. Oder: Ich bete immer zu Gott. Er wird mich schützen. Also brauche ich mich nicht zu schützen. Und erzählen vielleicht Berichte von heiligen Personen, die gesund geblieben sind, obwohl sie sich ansteckenden Erkrankungen ausgesetzt haben.

Dann gibt es wiederum Mitmenschen, die vielleicht in große Ängste und Panik verfallen. Vielleicht, weil sie chronische Vorerkrankungen haben oder weil es zurzeit ihre psychische Verfassung ist. Der Satz „Angst ein schlechter Ratgeber“ ist meist wahr. Wenn wir durch die Brille der Angst auf ein Geschehnis blicken, sehen wir es verzerrt. Wenn die Panik durch unseren Körper jagt, können wir nicht mehr klar denken oder Eingebungen wahrnehmen oder göttliche Führung. Wir können nicht mehr unterscheiden, welche Worte unserer Mitmenschen wahr in unseren Ohren klingen und welche Anregungen wir übernehmen könnten.

Hier gilt: In der Ruhe liegt die Kraft. Wenn Angst Sie im Griff hat, nehmen Sie sie wahr als ein Gefühl, welches Ihnen etwas sagen will. Umarmen Sie es! Beruhigen Sie sich, reden Sie sich gut zu! Ein Gebet kann hilfreich sein, indem Sie ihre Ängste in Gottes Hände legen. Sie könnten auch meditieren oder sich anderweitig mit Ihrem Inneren verbinden. Achten Sie auf Ihre Ernährung und meiden Sie angstverstärkendes Essen oder Getränke; bewegen Sie Ihren Körper, um die Energien wieder in Fluss zu bringen; nehmen Sie sich eine Auszeit und legen Sie sich hin. Sprechen Sie mit Freunden… Dale Carnegie, ein weltberühmter Experte des positiven Denkens aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dessen Bücher heute noch zu kaufen sind, sagte einmal: Warum sollte ich mir Sorgen machen wegen Dingen, die zu 99 Prozent nicht eintreffen.

Sorgen machen eben nicht. „Das bringt nichts“, würde ein mir bekannter chinesischer Meister sagen. Aber umsichtig sein und Rücksicht auf andere nehmen, hat noch nie geschadet, ist nützlich und liebevoll. Wenn wir dies versuchen, machen wir das nicht immer perfekt. Wir geben vielleicht doch jemandem die Hand, weil wir einfach vergessen haben, es nicht zu tun, in diesem Moment. Fassen uns doch ins Gesicht. Treffen bei der Nies- und Hustenetikette nicht hundertprozentig den Ellbogen… Das dürfen wir uns und anderen vergeben. Wichtig ist, dass wir es so gut machen wie wir können, uns selbst und anderen zuliebe.

Es geht um Umsicht und Rücksicht. Bodenständiges Handeln und Spiritualität gehen meist Hand in Hand miteinander. Ich persönlich halte mich weitgehend an die Empfehlungen des Robert-Koch-Institus zu meinem Schutz und zum Schutz anderer Menschen. Damit fühle ich mich gut. Eine Ansteckung kann jeden treffen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Spiritualität sollte nicht zu Hochmut verführen. Bleiben wir bescheiden und tun wir, was wir können! Den Rest können wir getrost weiseren Wesen überlassen als uns! Und vergessen Sie nie: Auch das geht vorüber!