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Volle Tage und Vorbereitung auf die zuckerfreie Zeit

In den vergangenen Tagen hatte ich auf vielen Ebenen viel zu tun. Ich war für einige Menschen da, es gab Themen auf der Erde, die Aufmerksamkeit und Hinwendung benötigten. Verstorbene brauchten Aufmerksamkeit, inneres Gehör und Hilfe. Davon später einmal mehr. Außerdem besuchte ich einen Arbeitskreis für eine heilpraktische Methode, musste mich um mein Zahnfleisch kümmern, das nach einer Zahn-Kiefer-Op Anfang des Monats immer noch nicht ganz geheilt ist und weiteres.

Meine Vorbereitung für die zuckerfreie Zeit, die am Sonntag beginnt und von der ich mir wünsche, dass sie über den Online-Kurs hinaus anhält, ist beinahe abgeschlossen.

Morgen soll es losgehen. Mein inneres Kind hat Ängste, dass es ohne den Zucker nicht leben kann.

Zu den Hausaufgaben gehörte, sich auf einem Blatt Papier zu notieren, warum ich das tun will und was ich mir davon erhoffe. Fünf Tage lang habe ich darüberhinaus jeden Bissen und jedes Getränk außer Tee und Wasser aufgeschrieben. Gestern habe ich die Küche gesichtet und nahezu alle Zucker enthaltenden Lebensmittel ausgeräumt. Nur die letzte der vier Aufgaben für diese Woche habe ich nicht optimal lösen können. Nämlich den Zuckerkonsum runterzufahren diese Woche. Das war mir nicht immer möglich.

Dieses Mal habe ich mir wirklich ausreichend Vorbereitungszeit genommen. Ich bemerke, wie gut das ist im Vergleich zu Anfang des vergangenen Jahres. Zu diesem Zeitpunkt habe ich zum ersten Mal einen Online-Kurs gemacht, hatte aber bereits von einem Tag zum anderen mit dem Zuckeressen aufgehört. Diesmal nehme ich mich wahr beim Zuckeressen,  wie ich mich fühle, wie es mir geht dabei und überdenke, wie lange und in welchen Situationen ich das in meinem Leben immer wieder gemacht habe. Den Kurs damals habe ich ganz gut geschafft. Danach bin ich ein wenig vom Kurs abgekommen, um im Oktober 2019 ganz einzubrechen.

Das hatte natürlich seine Gründe. Diesmal gesundheitliche. Ich hatte mich auf der Rückkehr von einer Reise verkühlt, ein schon länger entzündeter Zahn schmerzte zwar wenig, machte dem Körper aber sehr zu schaffen. Ich war ausgebremst und das frustrierte mich ungemein, weil ich so gerne bestimmte Dinge machen wollte. Ich aß wieder mehr und mehr Zucker.

Nun Ja, es gibt immer einen Grund dafür, seine Sucht auszuleben. Und es gibt noch bessere Gründe, dies nicht zu tun. Zucker (mit einem bestimmten Prozentsatz Fett gemischt) ist für viele Menschen zu einer legalen Droge geworden. Er ist in nahezu allen industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln enthalten. Es ist schwer, ihm aus dem Wege zu gehen, wenn man auf ihn süchtig reagiert.

Da ich im vergangenen Jahr wieder abgekommen bin von gesunder Ernährung, habe ich mir verordnet, die Klasse zu wiederholen. Ja, ich bin sozusagen „sitzengeblieben“. Ich muss die Klasse wiederholen. Aber ich bin dankbar, dass es mittlerweile überhaupt eine Klasse dafür gibt, etwas, an das ich mich anlehnen kann. Das gibt es noch nicht so lange, so frei zugänglich und im Übrigen durchaus erschwinglich im Do-it-Yourself-Verfahren.

Es ist wie mit dem Laufen lernen im Leben. Wir fallen viele Male hin, bevor wir gehen und laufen können. Wir können uns an Kindern ein Beispiel nehmen. Sie stehen immer wieder auf. Und es dauert so lange wie es eben dauert. Wichtig ist, nicht aufzugeben.

Ich bin erschüttert, wie viele Menschen das scheinbar tun. Ich hörte einige Gründe dafür von Menschen, die eine ähnliche Herausforderung haben wie ich. Solche und ähnliche Sätze hörte ich von verschiedenen Menschen. Mir hat man alles genommen, nur das Essen konnten sie mir nicht nehmen. Ich brauche Abstand, halte mir Menschen mit meinem Umfang vom Leib. Jetzt bin ich alt.

Es ist zu spät…

Nein, das ist es nicht. Solange wir atmen, können wir lernen, besser für uns zu sorgen. Außerdem nehmen wir eventuell Themen in zukünftige Leben mit. Ich löse das lieber im Hier und Jetzt…

Meine aufbauende Lektüre ist zurzeit wieder einmal Jack Kornfield, ein buddhistischer spiritueller Lehrer und Buchautor. Er schreibt in einigen Büchern so liebevoll und kundig über die menschlichen Herausforderungen weit entwickelter hochspiritueller Menschen. Der Dalai Lama ist immer bereit, von seinen Fehlern zu lernen. Viele andere Lehrer, die von Schülern durchaus als erleuchtet angesehen werden, machen Krisen durch. Christliche Heilige zweifelten immer wieder an sich…

In Tibet gibt es ein Sprichwort: Suche Dir einen Guru, der drei Berge weiter weg lebt. Das bedeutet, suche Dir jemanden, den Du nicht täglich siehst. So erlebst Du ihn nicht im Alltag und kannst das Bild eines sieben Tage vierundzwanzig Stunden vollkommenen, erleuchteten Wesens aufrechterhalten. In der Bibel heißt es: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Ein spiritueller Lehrer, ich nehme an ein Buddhist, sprach von erleuchtetem Handeln.

Meine Mutter schrieb mir folgenden Haiku des japanischen Dichters Kobayashi Issa ins Poesiealbum: „Ja, die Nachtigall ! Auch vor seiner Durchlaucht singt sie das gleiche Lied!“ Ihn und sie möchte ich an dieser Stelle einfach nennen, da es sozusagen von einer anderen Seite aus betrachtet etwas zum Thema beiträgt. Danke, Ma! Du fehlst mir, auch wenn Du in anderer Form bei mir bist. Und Pa, Du auch!

Jack Kornfield schrieb, er kenne keinen westlichen Erleuchteten, der keine Themen habe. Er sagte auch, dass er selbsternannte Erleuchtete im Westen wahr genommen hat, deren Selbstinflation schließlich zu rigiden fragwürdigen Strukturen geführt hat. Kornfield hat Jahre in asiatischen Ländern gelernt und gelebt. So ist ihm als Buddhist der Unterschied zwischen Osten und Westen sehr bewusst. Bescheiden und höflich äußert er sich daher in diesen Zusammenhängen eher über westliche Personen.

Mir tut es gut, das zu lesen. Es gehört zu meiner spirituellen Vorbereitung für die zuckerfreie Zeit.

Gestern war Neumond. Ein guter Zeitpunkt, um etwas Neues zu beginnen, auch wenn ich es zum x-ten Male tue. Mit den Mondzyklen zu leben, ist mir eine liebe Gewohnheit geworden. Ebbe und Flut, Zunahme und Abnahme, verschiedene Ansichten, verschiedene Energien. Es hat einen Grund, warum viele Kulturen Wert auf die Mondzyklen legen.

Eine meiner charmanteren Ausreden für meine Sucht ist: Ich bin wie der Mond (oder eigentlich besser gesagt: die Mondin). Mal nehme ich zu, mal nehme ich ab.

Wenn es um ein bis zwei Kilo geht, stimmt es auch.  Aber wenn es darüberhinaus geht, ist es eine Ausrede. Manchmal sind diese in Ordnung, wenn man gerade nicht über das Thema sprechen will. Nur sich selbst auf Dauer etwas vormachen, das bringt nichts.

Ich habe mir viel freie Zeit genommen in den nächsten Wochen und hoffe, die Missempfindungen bis hin zu Schmerzen beim Zuckerentzug einigermaßen zu überstehen. Ob ich viel hier hinein schreibe oder nicht, weiß ich noch nicht. Ich werde sicher auch immer wieder über mein persönliches Thema berichten. Wir werden sehen. Wünschen Sie mir Glück und gutes Gelingen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und gute Energien für Ihre anliegenden Themen.